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Die tapfere Schneiderin – wie eine Freiburgerin aus der Not eine Tugend macht

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 —  Story

Anne Tu Quoc näht mit ihrem Label «Petit Mai» Schuhe und Accessoires für Kleinkinder. Die Corona-Krise brachte das Geschäft fast komplett zum Erliegen. Doch wo sich eine Tür schliesst, geht an anderer Stelle eine auf: Ihr Bruder, Arzt an einem Spital, gab ihr den Auftrag, Schutzmasken zu nähen. Und aus dem nichts entwickelte sich daraus ein regelrechtes Business, mit dem sie erst noch hilft, die Schutzmaskenvorräte der Schweiz zu schonen.

Mit ihrem Label Petit Mai designt und produziert Anne Tu Quoc in Freiburg Mokassins für Kleinkinder, mit viel Liebe und alles von Hand. Im März wären bei ihr eigentlich diverse Termine mit Händlern und Lieferanten angestanden, denn durch das Creative Business Coaching des Creative Hubs erhielt Annes Geschäft in den letzten Monaten zusätzlich Schub und sie bietet ihre Mokassins mittlerweile in immer mehr Schweizer Fachläden an.

Doch dann kam der Corona-Virus: Die Läden sind geschlossen, die Termine abgesagt, der Umsatz am Boden. Wie für viele Kreative war der Schock gross und die Krise eine existentielle Bedrohung. Aber gerade in solchen Krisensituationen sind kreative Denkerinnen gefragt: Annes Bruder, der die Corona-Krise als Arzt an vorderster Front miterlebt, bat sie, Schutzmasken aus Stoff zu nähen. Denn er fürchtete, dass der Vorrat im Spital wohl nicht ausreichen würden.

Anne machte sich kurzerhand ans Werk: Im Internet machte sie sich schlau, fragte bei Experten nach und entwickelte aus verschiedenen Modellen ihren ganz eigenen Schnitt. Das Endprodukt überzeugt: Die Masken sind wiederverwendbar, denn sie können in der Waschmaschine auf 95 Grad gewaschen werden. Der weiche Baumwollstoff ist angenehm zu tragen und die Masken lassen sich mit verstellbaren Gummibändern und einem Nasendraht am Gesicht anpassen. Zusätzlich verfügen die Masken über eine Tasche, in der ein Filter eingelegt werden kann.

Innert kürzester Zeit waren die ersten Masken vergriffen, in den letzten zehn Tagen hat Anne über 400 Masken verkauft, davon einen grossen Teil an Ärztekollegen ihres Bruders. Zuerst nähte sie die Masken aus Materialien, welche sie noch an Lager hatte. Doch nach nur wenigen Tagen musste sie neue Stoffe nachbestellen, da durch die vielen Bestellungen alles aufgebraucht war.

Anne beweist Flexibilität: In wenigen Tagen hat sie 90 Prozent ihrer Produktion auf die Herstellung von Schutzmasken umgestellt und kurzerhand einen Schneider sowie zwei Rentnerinnen ins Team geholt, die bei der Produktion mithelfen. Wie sie das alles meistert? «Zum Glück arbeitet nun auch mein Partner im Homeoffice, so können wir uns die Kinderbetreuung teilen. Gleichzeitig werde ich durch die Kinder gezwungen mindestens einmal pro Tag raus in die Natur zu gehen. Denn ich arbeite sehr viel mehr als vor der Corona-Krise.» Doch beklagen will sie sich nicht: «Ich bin froh, dass ich durch diesen Ausnahmezustand keine finanziellen Probleme habe und mich zu 100 Prozent selber weiter finanzieren kann.»

Anne hat mit ihrem Mut zur Initiative für ihr Business einen Weg aus der Corona-Krise gefunden. Und leistet erst noch einen Beitrag zum Schutz vor dem Corona-Virus. Wir sagen: Bravo!

 

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